Aprilgesichter

Mintgrüner Nagellack, frisches Sushi und gute Gesellschaft, die Nacht kann kommen. Mal wieder mit dem Zug in die Stadt, wo ich lerne, dass ein Mann von Welt Büsche schenkt statt Rosen. Wo wir honigblind norwegisches Volksliedgut rezitieren. Wo die Lachse rückwärts schwimmen.
Wahlweise nehme ich schriftliche Geständnisse entgegen, konspiriere mit dem pfirsichroten Mond oder bade in Meeren aus Vergissmeinnicht. Tagsüber besteige ich blühende Apfelbäume und andere Wesen, koste alkoholisierten Käse und Stücke vom Himmel. Der hängt einmal voller Segelflieger, irgendwo nahe der Alb. Ich wandle durch eine Herde von fünfhundert Schafen, während der Hütehund kraulselig unter meiner Hand mittappt. Der Hirte faselt Halbverständliches.
Beim Heimkommen, meine Schuhe sind voller Blütenstaub, finde ich einen Jahrmarkt hinterm Haus, altmodisch, bunt und klein. Wie ein Pilzkreis ist er aus dem Boden geschossen, versperrt mir den Weg zum Parkplatz. Ich parke anderswo und lasse mich durch die Stände treiben, überall Zuckerwatte, Schießbuden. Tags darauf ist der Jahrmarkt verschwunden, wie weggeblasen, als hätte ich vom Kinderkarussell und den Schiffschaukeln nur geträumt.
Ich entdecke stattdessen den türkischen Supermarkt für mich, frühstücke einmal mit Kichererbsen und Granatäpfeln, ein andermal mit einem jungen Römer, Mythenkenner, lächle, tunke mein Croissant in den Kaffee, meine Sinne in Neues, entfalte meine Triebe wie der Hibiskusbaum im Garten. Ich male wieder. Endlich.