Das Klassentreffen des Literaturbetriebs, Frankfurt und die Buchmesse, Großstadtnächte, ich schleuse mich durch Lautes und Buntes. Durch Wühlen zum Erfolg, sagt meine Lektorin. Abends gehen wir auf Partys, auf denen alle Frauen wie Ann Cotten aussehen. Die Verlegervilla ist mein Refugium, Bücher und ein Surfbrett in meinem Zimmer.
Drei Wochen später, Gentlemen’s Quarterly, das Männermagazin für Style und Anspruch ernennt mich offiziell zum Männerversteher. Ich fische unterdessen meine Stimmung aus dem Marianengraben, jage Pfeile in den Supermond. Elektronische Musik gibt Auftrieb, es ist Zeit für einen Reboot, Zeit für Widerstand. Auch hier kann ein Verbrechen geschehen, warnt auf einer Raststätte zwischen Emden und Göttingen ein blaues Schild.
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Frankfurter Buchmesse
Leseinsel der Unabhängigen Verlage
Mitten im Frankfurter Messegewühl eine Ecke der Ruhe schaffen: Ist einen Versuch wert auf der Leseinsel der Unabhängigen Verlage.
Foto: Christine Langer
… den Autor vor lauter Büchern nicht
Ein violetter Papst
Wir füttern Mäuse, lümmeln mit Katern im Bett, in geheimen Gärten stöhnen die Schildkröten beim Sex. Bei der Buchpremiere spreche ich über Kleinstadtleben, über Musik und Sprache, umarme alte Lehrer. Nicht genug Schlaf, nicht genug Lachsbrötchen, dafür der Bürgermeister, ein Steinway und in der ersten Reihe drei Franziskanerinnen in vollem Ornat. Der Herbst bringt weitere Lesungen, ich schnuppere Theaterluft, schnuppere auch an Moos, Minze, Melisse, an Keksen in Knopfform. Links abbeißen, rechts abbeißen, schwebende Teekessel und tanzende Goldrandtassen. Nur ein verrückter Hutmacher fehlt. Stattdessen finde ich auf einem Plakat, die Staatsgalerie stellt Francis Bacon aus, einen violetten Papst mit Maulsperre. Ich freue mich wie ein Kind und klaue ihn.



