Wer sich gern was vorlesen lässt, dem sei der Bücher-Podcast des dtv ans Herz gelegt. Hier, gelesen von Fee, der erste Teil eines Podcasts mit Hörproben aus Judith Zanders Buch »Dinge, die wir heute sagten«.
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Bitch
Kopfüber
Diese Tage, an denen ich jemandem um den Hals fallen muss. Und wenn einer fragt, welches Tier ich heute bin, muss ich nicht lange überlegen. Etwas Hüpfendes, Leichtes, eine Bachstelze vielleicht, die Füße im schäumenden Wasser, Wippfee, Hupfdohle, kopfüber, Land unter.
Sahneratte
Ich fühle mich wie ein Zwischending zwischen dem Sahnehäubchen auf dem Marie Antoinetteschen Kuchen und einer robusten und hübschen Kanalratte. Dass die Antoinettesche Brioche nur ein Anekdotenkuchen war und dass es Menschen gibt, die Ratten nicht hübsch finden, tut nichts zur Sache. Nebenbei träume ich von Pferden und Elefanten. Esse gebratene Nudeln mit Riesengarnelen und jede Menge Kohlrabi und Mango. Spiele Billard. Und bin auf Bahngleisen und Schnellstraßen unterwegs. Rechts liegt ein Kraftwerkkomplex im nächtlichen Dunst und seine drei Schornsteine ragen wie rotäugige Aale in den Himmel. Obwohl die mysteriösen Höhenmonster stocksteif stehen, sehen sie lebendig aus. Als wollten sie ein Omen sein. Etwas bedeuten. Etwas sagen. Letztlich sagt der kleine Glückskekszettel aber mehr als alle Kraftwerkaale. If you are going to walk on thin ice, you may as well dance. Sagt er. Und tanzen will die kleine Sahneratte.
Der Schwan und ich
Nach langem Kranksein Schritte nach draußen wagen. Testweises Anleben alter Orte. Sie nehmen meine endlose Müdigkeit freundlich auf, mit Schneeglöckchen und einem Quintett fetter Forellen. Drei Wochen war ich weg. Ich weiß nicht wo. Eine Steppenwanderung, eine Wüstenreise, ein Tundramarsch, ich bin so dünn geworden. Am Bach entlang gehe ich nach Hause. Da haben der Schwan und ich noch lange die Hälse nacheinander verdreht.
