Angefixt

Das Vielleicht der nächsten Monate und Jahre macht mich verrückt. Gerade verrückt genug. Ich fühle mich angefixt von einer starken Droge. Möglicherweise meinem Leben. Wahrscheinlich ist das ganz normal. Ich bin jung und dumm.

Redaktionskaffee

Der Kaffeeautomat in der Redaktion des Schwäbischen Tagblatts hat Ähnlichkeit mit einem Fahrscheinautomaten. Ich bedauere, dass der Kaffeeduft in der Maschine eingeschlossen bleibt. Mit wem der Journalist, der mir mittels eines kleinen Silberschlüssels den Kaffee abfüllt, Ähnlichkeit hat, weiß ich nicht, aber er hat eine schöne Stimme. Wir gehen in den Konferenzsaal und nach einer Stunde wieder hinaus.
Das war gestern. Heute ramme ich Nadeln in den Rücken einer lebensgroßen Puppe. Sie trägt ein rotes Kleid, mein Kleid. Sie ist kopflos. Ich nicht.

Staubiger Ausritt

Ungeschriebene Briefe im Ärmel und fadenscheinigen Fracks bugsiere ich meinen Gaul in Richtung Nacht. Aus einem silbergrauen Kopfhörer wirbelt Musik der Zwanziger und Fünfziger in meine Ohren. Wüsste ich nicht, dass es meine Hände sind, müsste ich nachsehen, was für ein Paar kleiner, warmer Tiere in meinem Schoß liegt. Ich wippe ein wenig im Sattel zur Musik. Manchmal bekomme ich schöne Komplimente. Männerversteherin, sagt einer. Ich weiß, ich weiß, es wäre an der Zeit, wieder von sich hören zu lassen. Eine Strähne fällt über mein Auge. Wovon ich zu erzählen hätte, vom Literatur-Café und deutschen Taschenbuchgedichten, vom Straucheln im Buschwerk, von den vielbeschäftigten und hübschen Studentinnen Lisa und Klara, von Stockholms grünem Wasser, von roter Seide in meiner Dusche, alles liegt auf der Zunge. Aber ich habe keine Lust, auszuspucken. Ein Hauch von trockenem Friedhofsstaub weht in der Luft. Mein Hut versteckt nur schlecht die mutwilligen Augen.